Franz von Assisi – unser Patron

Christlichen Glauben neu profilieren

Der Heilige Franz von Assisi hat die Kirche seiner Zeit erheblich verändert. Die Legende erzählt, dass er in der Kapelle San Damiano, die wohl eher einer Ruine glich, Gottes Stimme vernahm, die ihn aufforderte, die Kirche wieder aufzubauen. Franziskus hat das zunächst auf diese Kapellen-Ruine bezogen und Baumaterial beschafft. Erst nach und nach wurde ihm klar, dass es weniger um diesen konkreten Bau ging, sondern um eine Neu-Belebung, einen Wiederaufbau der Kirche als Ganze. Eine Rückbesinnung auf das Eigentliche, auf das, wofür diese Institution stehen sollte, war dringend nötig. Die daraus entstehende Bewegung war über die konkrete Zeit hinaus für viele beeindruckend und wirkmächtig – für manche war sie aber auch ziemlich unbequem.

Dieser Aspekt kann für uns heute bedeutsam sein. Wir beten eher nicht in baulichen Kirchenruinen (auch wenn manche Kirche dringenden baulichen Handlungsbedarf hätte), aber wir erleben einen massiven Bedeutungs- und auch Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche. Vielleicht haben wir uns auch recht bequem in den Kirchen eingerichtet und genügen uns zum Teil selbst. Doch es gibt auch viele – in den Kirchen oder außerhalb, die nach einem „Mehr“ im Leben suchen, nach Sinn und Orientierung, nach Vertiefung im Glauben. Die etablierten kirchlichen Strukturen, Riten und Lehren erreichen viele nicht mehr, nähren sie nicht mehr und sind für sie leer geworden.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat betont, dass sich die Kirche immer verändern müsse. Das heißt, es muss auch immer nach den passenden und nicht einengenden Strukturen gesucht werden, die es der Kirche ermöglichen, ihren Auftrag zu erfüllen. Ein Schritt in diese Richtung war die Neustrukturierung der katholischen Kirchengemeinden in Kiel. Aus vielen einzelnen Pfarreien und kirchlichen Einrichtungen wurde im November 2013 eine große Pfarrei mit dem Namen „Franz von Assisi“.

Mit der Errichtung der neuen Pfarrei damals sollte es weniger um den Wiederaufbau von Kirchengebäuden, den Erhalt von Kirchengebäuden und -strukturen gehen, sondern um ein neues Bewusstsein, wofür Kirche steht – ähnlich wie damals beim Namenspatron der Pfarrei Franz von Assisi. Das schließt sehr wohl ein neues Denken ein, das sich von alten und durchaus liebgewordenen Strukturen löst. Dazu zählt auch, nicht alles machen und bedienen zu können, was an vielfach nachvollziehbaren Erwartungen oder Gewohnheiten zutage tritt.

Dazu zählt weiter, dass die Kirche sich immer wieder selbst neu suchen muss und sich nicht in bequemer Denksicherheit wiegen sollte. Ich glaube, dass nur eine selbst suchende Kirche auch für andere suchende Menschen interessant und authentisch sein kann. Wenn es uns gelingt, die damalige Gründung der neuen Pfarrei Franz von Assisi in Kiel nicht nur als Strukturreform zu begreifen, dann liegt hier durchaus Potential, christlichen Glauben neu zu profilieren, ihn erfahrbar zu machen und dafür zu begeistern.

Martin Mayer, Pastoralreferent