Ikone und Spiegel

Die orthodoxe Frau zwischen Tradition und Moderne

Ausstellung mit Fotografien von Pola Rader

vom 17. Januar bis zum 22. März im KirchenKAI

Ausstellungseröffnung: Freitag, 17.1., 19:15 Uhr
Einführung: Annett Stenzel
Musik: Werner Parecker

Gespräch mit der Künstlerin: Freitag, 7.2. um 18:00 Uhr
Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich

Eine Eigenschaft der orthodoxen Kirche ist die Bewahrung von alten Traditionen und die Fähigkeit, sich von den Strömungen der Zeit nicht beeinflussen zu lassen. Trotz der weltweiten Entwicklung der Frauenrechte, des kulturellen Wandels und des im 21. Jahrhundert veränderten Menschenbildes, ist in der Orthodoxie eine Vielzahl von Tabus für Frauen erhalten geblieben, welche die Frau von der aktiven Teilnahme an dem Kirchenleben ausschließen.

Das Fotoprojekt von Pola Rader “Ikone und Spiegel“ untersucht das Spannungsfeld zwischen der Idealisierung der ikonischen Heiligen Jungfrau Maria und der Position der orthodoxen Frau in der modernen russischen Gesellschaft.

Die Filmemacherin und Fotografin Pola Rader kombiniert in ihren Projekten oft Dokumentarisches und Künstlerisches und legt den Fokus auf verschiedene soziale Fragen, wie z.B. die Interaktion zwischen Gesellschaft und Individuen. In „Ikone und Spiegel“ portraitiert sie die in Russland lebenden orthodoxen Frauen und interviewt diese zu den Themen Glauben und Frauenrolle im orthodoxen Kontext.

Die Protagonistinnen des Projektes leben in der, in Zentralrussland liegenden, Großstadt Woronesch. Das ist ein Ort mit einer sehr starken orthodoxen Tradition. Hier befindet sich eines der ältesten orthodoxen Priesterseminare mit zwei Fakultäten, die für Frauen vorgesehenen sind. Hier gibt es den Frauenrat der Orthodoxie, der einmalig in Russland ist. Und obwohl der Weg zu den führenden Stellen nur für die Priesterfrauen erlaubt ist, finden auch andere Frauen immer öfter Möglichkeiten, aktiver in der Orthodoxie zu arbeiten.

Bei aller Unterordnung nehmen diese Frauen starke Positionen ein. Sie fügen sich in ihr Schicksal, jedoch mit Würde. Die hochgeachteten geistigen Eigenschaften und Werte der Mutter Gottes werden durch die orthodoxen Frauen weitergelebt: Nicht stolz zu werden und Demut zu haben, die Leiden geduldig zu ertragen.

Die Konstanz der eigenen Tradition fordert heutzutage die orthodoxen Frauen zu einer bewussten Auseinandersetzung mit dieser. Wie kann man die Traditionen respektieren und sie gleichzeitig kritisch reflektieren?

Die für die Ausstellung ausgewählten 14 Abbildungen vereinen dokumentarischen Ursprung und künstlerische Bildbearbeitung. Gedruckt auf lackiertem Holz stellen sie eine visuelle Analogie mit dem Erscheinungsbild einer Ikone her. Das Projekt begleiten Auszüge aus Interviews mit den Frauen, die anonym in dem Ausstellungsbuch zusammengefasst sind.

Einen englischsprachigen Artikel über das Fotoprojekt mit weiteren Beispielbildern von Pola Rader finden Sie HIER.